Tiny House Blog

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Aktualisiert: 14. Juni 2019

Der Bowlingabend - Auszug aus dem Buch "Warum Tiny Houses keinen Keller haben"


Heute, am 04.04.2019, waren wir bowlen. In Mak, wie die zugezogenen Ahnungslosen sagen (Nummernschild). In Rawatz, wie die Eingeborenen sagen. In Marktredtwitz, wie es auf der Landkarte steht.

Wir sind eine gemischte Truppe von Mädels und Jungens jeden Alters, Rolf Ohnebart führt mit seinen siebzig Lenzen das Feld an. Ange schaut uns zu, vor allem ihrem Markus, denn Ange hat Rücken. Unter anderem. Auch was körperliche Gebrechen angeht, gibt sich Ange nur ungern mit wenig zufrieden.

Daniel III. ist auch an Bord. Er war vor Monaten, gemeinsam mit seiner Elfe, zum Schnuppern da, wobei Elfchen offenbar nicht gänzlich von den Vorzügen des minimalisierten Wohnens überzeugt werden konnte. Jetzt ist er alleine zurückgekehrt und bewohnt das Sommer-Mobilheim, während er sein Häuslein baut. Ohne Elfe. Das nenne ich mal Überzeugung, wie?

Wir alle dilettieren uns freudig durch die ersten Runden, besonders Philipp hat heute Scheisse an den Fingern und wird auch von den meisten Damen abgehängt. Mayor Sanders is not amused. Ich dagegen verkrafte dadurch etwas besser meine Niederlagenserie in `Risiko´ und freue mich nach innen. Daniel III. verfügt über ellenlange Tentakel, die ihm sozusagen einen kinetischen Schwungvorteil verschaffen und die Bälle mit astronomischen Geschwindigkeiten in Richtung der Pins befördern. Glücklicherweise nur in die grobe Richtung, denn Daniel III. zielt auch wie ein Tintenfisch. Trifft er gelegentlich doch, ist das Ergebnis unerhört. Sollte seine Genauigkeit steigen, werden wir ihm wohl den Wurfarm brechen müssen, sonst ist er nicht mehr aufzuhalten.

Rolf Ohnebart hat auch keine gute Tagesform, er hat schon 25 km Rad in den Knochen. Dabei hat er eine Woche vorher einen super Lauf hingelegt. Mir doch egal, ich spiele auch dann gnadenlos, wenn es gegen die örtliche Kindergartengruppe geht. Das habe ich von Philipp gelernt, der jedes Register bei `Risiko´ zieht.

Ein ernsthafter Gegner an diesem Abend ist nur Markus. Markus ist der klassische Kumpel, Marke Teddybär. Er nimmt gerne in den Arm und lacht viel, auch wenn ich nicht immer weiß warum. Ihn zu einem Bier zu überreden ist eine leichte Übung, gelegentlich werden ein paar Whiskys damit heruntergespült und dann spricht der Mann ohne Punkt und Komma. Man muss ihn gerne haben.

Wie seine bullige Statur vermuten lässt, beherrscht er die schweren Bälle mühelos. Er legt 148 vor. Für die Voll-Laien: Ein perfektes Spiel hat 300 Punkte und die Profis kriegen einen Herzkasper, wenn mal´n Pin stehenbleibt. Unsere Klasse freut sich ab 100 - und ab 125 ein Loch in den Bauch. Markus Ergebnis ist das bisher beste von unseren vier Bowling-Abenden. Ange ist stolz, ich bin motiviert. Habe ich schon erwähnt, das Markus eine ganz fiese Type ist? Besonders, wenn er ein Finish mit 2 Strikes hinlegt. Das bescheidene Lächeln ist nur Makulatur, der selbstbewusst wiegende Gang zurück auf die Bank dagegen pure Herausforderung. Habe ich gesagt, man müsse den Kerl gern haben? Vergessen Sie´s! Ich kann ihn nicht leiden! Mit Mühe wende ich meinen hasserfüllten Blick von dieser wandelnden Siegessäule ab und konzentriere mich auf mein Spiel.

Nur der Sieg zählt, ich kenne keine Freunde. Danke, Philipp.

Im übernächsten Spiel toppe ich Markus 148 um 7 Punkte.

Muahahaha! Gott ist groß!

Wir sind jetzt beide so hungrig, dass wir, nachdem die offizielle Spielzeit durch ist, noch 2 Extraspiele anhängen. Nur wir. Markus und Rolf. Er und ich.

Was soll ich sagen?

Was. Soll. Ich. Sagen?

Markus legt 165 hin, ich 191. Einhunderteinundneunzig! Hat es solches überhaupt schon jemals gegeben? Mh? Was ein Sieg! Markus gratuliert und macht ein Foto, lässt zusätzlich das Ergebnis ausdrucken. Er ist halt ein feiner Kerl. Ich hab´ ihn lieb!

Bürgermeister Sanders ist wie vom Donner gerührt und kann es kaum glauben. Er ist heute Mister Uhu geblieben, also unter hundert. Ob er in dieser Nacht geschlafen hat?

Notiz: Mit Steffi reden, damit mein Pachtvertrag verlängert wird!

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  • Patrick Rolf Ullrich

Aktualisiert: 14. Juni 2019

Ein Feuer unter Sternen


Da sitzen sie nun, die Menschen, im Kreis und seltsamer Einträchtigkeit, starren wahlweise in die Glut oder in den Himmel, der, weitgehend von den tausendfachen Lichtquellen einer Stadt unbeeinträchtigt, im vergessenen Fichtelgebirge noch so aussehen mag wie vor abertausend Jahren. Denn vergessen ist es in der Tat, dieses von Nadelhölzern dominierte Fleckchen Erde, mit seinen sanften Hügeln, die stets noch bewachsen sind, deren höchster Punkt doch immer eine, na, raten Sie mal-, genau, Fichte markiert, und das sich trotzig Gebirge nennt, grad so, als gäbe es das Jura, die Voralpen, das Zentralmassiv, oder die

Karpaten nicht. Kühl sind die Nächte dennoch, auch im Juli, aber das schadet der Magie eines Lagerfeuers ja kaum, sondern steigert nur die Anziehungskraft knackender Scheite. Ich liebe das Feuer, ganz egal, ob Kaminofen oder Feuerschale. Oft sitze ich so nah davor und sehe so lange in das Flammenspiel, dass man sich genötigt sieht nach meiner Nase zu fassen, um zu sehen, ob sie noch kühl und feucht ist. Als würde ich meine eigene Nase rösten! Stellen sich mal vor!

Im Fichtelgebirge, das mal oberpfälzisch war und jetzt fränkisch ist, ist die Zeit ein wenig

stehengeblieben. Die Sonne glüht den Horizont im Sommer eine gute Stunde lang vor, bis ihre Strahlen endlich den Tau trocknen und die Vögel singen dazu, als wären Notenblätter verteilt worden. Hier gibt es Luchse, Marder, Füchse, Igel und Schlaglöcher in den Straßen. Hier hat es Kriech-, Krabbel-, und Schwirrtierchen im Überfluss, viele von jenen stechen oder beissen und es ist doch wunderbar, auch, weil einige von ihnen so schön grün glühen. Hier flattern noch Schmetterlinge, die Glocken klingen von den Kirchtürmen her in aller Früh und selbstbewusst zu jeder Stunde, Kühe muhen, Hähne krähen und Menschen essen Schweinsschnitzel ab vier Euro.


Die Einheimischen sind sich, wie in den anderen wenigen Ecken und Winkeln, dieses ansonsten durchstrukturierten und prozessoptimierten Deutschlands, in denen die Welt noch in Ordnung ist, dieser erstaunlichen Tatsache in erfrischender Unbekümmertheit unbewusst und können es vermutlich kaum abwarten, aus dem verschonten Fichtelgebirge ein Tirol, eine fränkische Schweiz, oder eine Südpfalz zu machen – ein Disneyland für Naturliebhaber, einen Jurassic Park für Wolfsglotzer, ein Wintersporterlebnis für Kunstschneefetischisten. Stellen Sie sich mal vor!

Noch aber ist es nicht so weit und der Mensch hat die Natur nicht so nachhaltig gestört wie anderswo, obwohl auch hier die Wälder keine Wälder, sondern Holzplantagen sind und Harvester, Kampfpanzern gleich, wie in einer Dystopie malmen.

Etliche Sünden der jüngeren Vergangenheit sind leider auch hier zu finden. Kleine Ortschaften mit wenigen hundert Einwohnern zerfasern sich über zu viele Quadratkilometer und mächtige Ein-Familien-Hausburgen wurden auf die Wiese verbaut, während in den Ortschaften Brachflächen wie Brandlöcher in einem Postkarten-Panorama klaffen. Die meisten Häuser aber sind noch klein, zweckmäßig zusammen gekuschelt und mit schlichten Blechdächern gedeckt, die sich wacker dem touristisch-bayrischen Dampferstil verweigern: No a Holzradl und no a Holzradl, no a Mistgabel, no a alte Wagendeichsel,

Dreschflegel, Sense oder Holzfass – für zehnjährige Ewigkeiten zu Tode lackiert und von Geranien erwürgt. Gibt es Krachlederne eigentlich auch als Pyjama? Vieles hier ist einfach deshalb schön, weil noch keiner versucht hat, es schöner zu machen und es ist zu hoffen, dass es so bleibt.


Hier, im Fichtelgebirge, ganz nahe der kleinen Gemeinde Mehlmeisel, entsteht das Tiny House Village. Ein Dörfchen im Dorf. Große Fantasie in kleinen Häusern. Völlig wagenradlfrei. Ich bin Elli, eine wenige Kilo leichte Findlingshündin aus Andalusien. Rolf, mein Mensch, nennt mich manchmal Bonsai-Schäferhund. Er findet das lustig. Stellen Sie sich mal vor!


Dieser Blog ist aus der Sicht der tierischen Bewohner des Tiny House Village geschrieben, denn sie verfügen sicherlich über den klareren Blick für das Wesentliche, über die Unbestechlichkeit echter Herzen und über den Mut beiden auch Ausdruck zu verleihen. Klar ist auch, dass sie damit nicht zwingend die Meinung der menschlichen Village People vertreten, sondern stets nur ihrer eigenen Sichtweise verpflichtet bleiben.

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