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  • Patrick Rolf Ullrich

Der Bowlingabend - Auszug aus dem Buch "Warum Tiny Houses keinen Keller haben"

Aktualisiert: 14. Juni 2019

Der Bowlingabend - Auszug aus dem Buch "Warum Tiny Houses keinen Keller haben"


Heute, am 04.04.2019, waren wir bowlen. In Mak, wie die zugezogenen Ahnungslosen sagen (Nummernschild). In Rawatz, wie die Eingeborenen sagen. In Marktredtwitz, wie es auf der Landkarte steht.

Wir sind eine gemischte Truppe von Mädels und Jungens jeden Alters, Rolf Ohnebart führt mit seinen siebzig Lenzen das Feld an. Ange schaut uns zu, vor allem ihrem Markus, denn Ange hat Rücken. Unter anderem. Auch was körperliche Gebrechen angeht, gibt sich Ange nur ungern mit wenig zufrieden.

Daniel III. ist auch an Bord. Er war vor Monaten, gemeinsam mit seiner Elfe, zum Schnuppern da, wobei Elfchen offenbar nicht gänzlich von den Vorzügen des minimalisierten Wohnens überzeugt werden konnte. Jetzt ist er alleine zurückgekehrt und bewohnt das Sommer-Mobilheim, während er sein Häuslein baut. Ohne Elfe. Das nenne ich mal Überzeugung, wie?

Wir alle dilettieren uns freudig durch die ersten Runden, besonders Philipp hat heute Scheisse an den Fingern und wird auch von den meisten Damen abgehängt. Mayor Sanders is not amused. Ich dagegen verkrafte dadurch etwas besser meine Niederlagenserie in `Risiko´ und freue mich nach innen. Daniel III. verfügt über ellenlange Tentakel, die ihm sozusagen einen kinetischen Schwungvorteil verschaffen und die Bälle mit astronomischen Geschwindigkeiten in Richtung der Pins befördern. Glücklicherweise nur in die grobe Richtung, denn Daniel III. zielt auch wie ein Tintenfisch. Trifft er gelegentlich doch, ist das Ergebnis unerhört. Sollte seine Genauigkeit steigen, werden wir ihm wohl den Wurfarm brechen müssen, sonst ist er nicht mehr aufzuhalten.

Rolf Ohnebart hat auch keine gute Tagesform, er hat schon 25 km Rad in den Knochen. Dabei hat er eine Woche vorher einen super Lauf hingelegt. Mir doch egal, ich spiele auch dann gnadenlos, wenn es gegen die örtliche Kindergartengruppe geht. Das habe ich von Philipp gelernt, der jedes Register bei `Risiko´ zieht.

Ein ernsthafter Gegner an diesem Abend ist nur Markus. Markus ist der klassische Kumpel, Marke Teddybär. Er nimmt gerne in den Arm und lacht viel, auch wenn ich nicht immer weiß warum. Ihn zu einem Bier zu überreden ist eine leichte Übung, gelegentlich werden ein paar Whiskys damit heruntergespült und dann spricht der Mann ohne Punkt und Komma. Man muss ihn gerne haben.

Wie seine bullige Statur vermuten lässt, beherrscht er die schweren Bälle mühelos. Er legt 148 vor. Für die Voll-Laien: Ein perfektes Spiel hat 300 Punkte und die Profis kriegen einen Herzkasper, wenn mal´n Pin stehenbleibt. Unsere Klasse freut sich ab 100 - und ab 125 ein Loch in den Bauch. Markus Ergebnis ist das bisher beste von unseren vier Bowling-Abenden. Ange ist stolz, ich bin motiviert. Habe ich schon erwähnt, das Markus eine ganz fiese Type ist? Besonders, wenn er ein Finish mit 2 Strikes hinlegt. Das bescheidene Lächeln ist nur Makulatur, der selbstbewusst wiegende Gang zurück auf die Bank dagegen pure Herausforderung. Habe ich gesagt, man müsse den Kerl gern haben? Vergessen Sie´s! Ich kann ihn nicht leiden! Mit Mühe wende ich meinen hasserfüllten Blick von dieser wandelnden Siegessäule ab und konzentriere mich auf mein Spiel.

Nur der Sieg zählt, ich kenne keine Freunde. Danke, Philipp.

Im übernächsten Spiel toppe ich Markus 148 um 7 Punkte.

Muahahaha! Gott ist groß!

Wir sind jetzt beide so hungrig, dass wir, nachdem die offizielle Spielzeit durch ist, noch 2 Extraspiele anhängen. Nur wir. Markus und Rolf. Er und ich.

Was soll ich sagen?

Was. Soll. Ich. Sagen?

Markus legt 165 hin, ich 191. Einhunderteinundneunzig! Hat es solches überhaupt schon jemals gegeben? Mh? Was ein Sieg! Markus gratuliert und macht ein Foto, lässt zusätzlich das Ergebnis ausdrucken. Er ist halt ein feiner Kerl. Ich hab´ ihn lieb!

Bürgermeister Sanders ist wie vom Donner gerührt und kann es kaum glauben. Er ist heute Mister Uhu geblieben, also unter hundert. Ob er in dieser Nacht geschlafen hat?

Notiz: Mit Steffi reden, damit mein Pachtvertrag verlängert wird!

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